Die Bremer Stadtmusikanten

Huch, nein, das sind sie natürlich nicht..

Sicherlich seid Ihr schonmal in Bremen gewesen, nicht zu verwechseln mit Wremen, über das ich schon einige Male berichtet habe. Nein, ich meine Bremen, an der Weser gelegen und Landeshauptstadt des gleichnamigen Bundeslandes. Ich lebe ja nun seit beinahe zwei Jahren hier im Norden, aber Bremen kannte ich bis gestern noch nicht. Das sollte sich ändern und so bin ich in den Zug gestiegen und von Bremerhaven nach Bremen gefahren, übrigens eine gute Verbindung, dies für alle, die es mal nachmachen möchten.

Jeder, ich natürlich auch, denkt immer zu allererst an die Bremer Stadtmusikanten, deshalb habe ich mich auch direkt vom Bahnhof aus auf die Suche nach den berühmten Tieren gemacht. Es dauerte auch gar nicht lange und da stand ich schon vor ihnen. Aber waren es nicht Esel, Hund, Katze und Hahn??? Ich stand vor vier Schweinen goldig glänzend und von vielen Menschen umringt. Nanu? Hatte ich da etwas durcheinander gebracht`? Nein!!1974 wurde nach einem Entwurf des Bremer Bildhauers Peter Lehmann diese inzwischen sehr beliebte Skulpturengruppe aus Bronze gefertigt. Sie wurde von den Kaufleuten der Sögestraße finanziert und steht für die Herkunft des Namens, der im Mittelalter als Soghestrate (Plattdeutsch für Sauen) die Straße, an der wahrscheinlich viele Schweineställe standen, bezeichnete. Damals trieben die Hirten die Schweine von hier durch das Herdentor in der Bremer Stadtmauer und dann zur Bürgerweide. Genau genommen zählt zu dieser Gruppe ein Hirte, ein Hund, vier Ferkel und eine Sau, aber daran ändert sich sehr oft etwas, zum Beispiel wenn wieder mal ein Lieferwagen dagegen fährt.

Ich lass mich einfach treiben an diesem herrlichen Sommertag und es dauert auch gar nicht lang, da stehe ich vor dem weltberühmten Rathaus der Stadt. Zwischen 1405 und 1410 wurde es erbaut und zählt seit dem Jahre 2004 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Im Untergeschoss befindet sich der Ratskeller mit der größten Sammlung deutscher Weine

Etwas früher schon bezog der Roland seinen Platz direkt vor dem späteren Rathaus. Mit seinen 5.50 Meter ist er der größte seiner Art, immerhin gibt es davon in Deutschland weitere 26 „Brüder“, alle stehen für Recht und Frieden aber nur der in Bremen ist ebenfalls im Jahr 2004 zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt worden. Entsprechend groß ist das Interesse und zahlreiche Menschen stehen davor, ich ja auch. In vielen Sprachen tönt um mich herum die Geschichte der Stadt.

Der Bremer Roland, der größte seiner Art

Überhaupt gibt es hier rund um den Marktplatz viel zu sehen, imposante Kirchen, wunderschöne Gebäude, und..

Die „echten“ Bremer Stadtmusikaten

…die wirklichen, echten, richtigen Bremer Stadtmusikanten. Vergleichsweise klein und bescheiden schauen sie von ihrer Ecke aus auf das rege Treiben und erdulden es, dass jeder Besucher dem Esel ans Bein fasst, soll Glück bringen. Ihm hat es zumindest ein glänzendes Bein gebracht. „Die Bremer Stadtmusikanten“ ist auch der Titel eines Märchens  von den Brüdern Grimm, das im Jahre 1819 in ihrer berühmten Sammlung „Grimms Märchen“ erstmals veröffentlicht wurde. Die inzwischen weit über die Stadt hinaus bekannten vier in Rente gegangenen Tiere sind zu Symbolen der Stadt geworden, es gibt sie in jeder erdenklichen Form als Souvenir. Ich kann auch nicht widerstehen und erwerbe die Vier als Magnet für meine Sammlung daheim. Es gibt sogar Ampeln im Innenstadtbereich, die mit ihnen ausgestattet sind anstelle der Ampelmännchen andern Ortes.

Ich habe aber noch ein anderes Ziel, das sogenannte Schnoorviertel, ein ganz besonderes Highlight der Altstadt. „Schnoor“ ist wohl der plattdeutsche Ausdruck für Schnur, denn so reihen sich die 111 wunderschönen Häuschen aneinander. Die Gassen dazwischen sind so schmal, dass man an manchen Stellen mit ausgestreckten Armen die eine wie die andere Hausseite berühren kann. Und was es da alles zu kaufen gibt. Ich fasse es zusammen: Alles, was man nicht braucht aber so gerne haben möchte. Und natürlich sind auch die Restaurants und Cafés nicht nur zum anschauen da. Dieses Stadtviertel ist so bekannt und beliebt in aller Welt, dass die Geschäfte neun Monate im Jahr sogar an sieben Tagen in der Woche geöffnet haben.

Ich bummele entspannt an den denkmalgeschützten Wohn- und Handwerkshäusern vorbei, schaue in manchen Innenhof, balanciere über das altertümliche Kopfsteinpflaster und genieße die einzigartige Atmosphäre der verwinkelten Gässchen

Bereits im 13. Jahrhundert entstanden die ersten Häuser im Schnoorviertel

Die Geschichte ist sehr wechselhaft, lange Zeit galt der Stadtteil als Armenviertel, durch das nicht mal Autos aus Platzmangel fahren konnten. Damals Nachteil heute Vorteil, so ändern sich die Zeiten.

Ein besonderer Magnet für die ganz jungen Besucher ist die Bonbon-Manufaktur, ein Paradies für Naschkatzen.

Hier drücken sich besonders die Kinder die Nasen platt

Ich gebe zu, dass ich sicherlich sehr viel mehr der schönen Stadt Bremen hätte sehen und vor allen Dingen erfahren können. Aber ich begnüge mich heute damit, einfach nur meinen Vorlieben nachzugehen und die gehören heute nun mal diesen wunderbaren historischen Gassen und ihren verführerischen Angeboten.

Und dann rückt auch schon die Zeit voran, so dass ich in Richtung Bahnhof marschiere, ehrlich gesagt auch schon ein wenig fußlahm. Und auf dem Weg dahin sehe ich plötzlich und völlig unerwartet auf der linken Seite eine alte Mühle, die überall hinpassen könnte, nur nicht mitten in eine Großstadt. Ich kann nicht anders, diesen kleinen Abstecher gönne ich mir noch, hier das Ergebnis

Die Kaffeemühle

Ich kann es kaum glauben, was mir dann ein Einheimischer erzählt. Es gibt in Bremen noch insgesamt fünf Mühlen, nicht alle an so prominenter Stelle gelegen. Wenn ich bis jetzt vielleicht dachte, dass mein Besuch nun erstmal ausreichend ist, beschließe ich nun, demnächst wiederzukommen, und dann ausschließlich auf Mühlentour zu gehen, ohnehin eine Vorliebe von mir. Ich nehme euch mit, versprochen.